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"Reich sind wir zwar an dreißig Millionen Autos,
aber arm, bettelarm, an reinem Trinkwasser
und gesunder Atemluft."
- Hubert Weinzierl
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"MCS, keine psychische Erkrankung"

Offiziell ist MCS seit 2009 in Österreich als körperliche Erkrankung anerkannt, die im WHO-Register für Krankheiten mit dem Code ICD-10 T78.4 klassifiziert ist. Somit wird MCS auch offiziell nicht mehr als psychische Erkrankung gehandelt. Doch die Realität sind ganz anders aus.

Eines der größten Probleme bei MCS ist die Diagnose. Viele Symptome werden von standardisierten Labortests nicht erfaßt, die wenigen positiven Ergebnisse führen den Mediziner in der Regel nicht zu einer chemischen Unverträglichkeit. Die heutige Schulmedizin ist nicht in der Lage, MCS zu diagnostizieren. Aufgrund von Ratlosigkeit und Unwissen der Ärzte führt die Diagnose fast ausschließlich in Richtung psychische Erkrankung. Für den Betroffenen ist dies eine klare Fehldiagnose, die er mit Ablehnung bekundet, was wiederum die Ärzte bestärkt, was ihre Diagnose betrifft. Ein Teufelskreis entsteht, da der Patient neue Ärzte aufsucht, die Diagnose meistens gleich ausfällt.
Es gab in der Vergangenheit schon viele Krankheiten, die als psychische Erkrankungen deklariert wurden, und die sich erst später als körperliche herausgestellt haben, wie Migräne, Asthma,  Mulitple Sklerose uvm. MCS und viele andere Umwelterkrankungen ergeht es da zur Zeit nicht viel anders.

Die Psychiatrierung des MCS-Erkrankten kann obendrein schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Behandlungen mit Psychopharmaka können den Gesundheitszustand deutlich verschlechtern, aufgrund der chemischen Zusammensetzungen der Pillen und diversen Unverträglichkeiten. Die Heilung chemisch vergifteter Menschen mit Chemie kann nicht funktionieren. Auch mit dem Versuch von Verhaltenstherapien konnten bislang keine Erfolge erzielt werden. Verständlich ist, dass Menschen mit MCS oft psychische Anzeichen zeigen. Kein "gesunder Mensch" kann sich in die Lage eines MCS-Kranken hineinversetzen. Die andauernden Beschwerden, die ständige Belastung durch die Umwelt, Ignoranz und Diskriminierung, hinterlassen natürlich ihre psychischen Spuren.

"Wo kein Arzt, da keine Diagnose"

Ohne einer Diagnose ist der MCS-Betroffene Freiwild für Behörden, Berufs- und Privatleben. Therapien sind in dieser Phase oftmals sinnlos, auch bei Verbesserung des Gesundheitszustandes kommt es wieder zu einer Schadstoffexposition, vielleicht nur für Sekunden oder Minuten, ausreichend um monatelange Therapien wieder zunichte zu machen. Erst mit einer feststehenden und anerkannten Diagnose hat der Umweltkranke überhaupt erst die Chance sich vor den Umwelteinflüssen zu schützen und seinen Gesamtzustand zu verbessern.

Unmöglich sind Diagnosen zu MCS oder andere Umwelterkrankungen aber nicht. Neurotoxische Schädigungen im Gehirn sind mittels PET und SPECT belegbar. Diese Verfahren werden eigentlich nur bei Krebs- oder Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Parkinson eingesetzt. Möglich sind auch Genanalysen über unser Entgiftungssystem. Menschen mit schwacher Engiftungsleistung gehören zu der Risikogruppe, um an Schadstoffen und schließlich MCS zu erkranken. Blutanalysen auf die auszulösenden Schadstoffe wie der Lymphozytentransformationstest (LTT) sind ebenfalls möglich, werden aber kaum anerkannt. Analysen wie der Epikutantest (Reaktionen der Haut) sind bei MCS sinnlos. Gefährlich sind hingegen Provokationstest im toxischen Bereich. Langzeitschäden der Atemwege und Gehirn sind oft die Folge.

"MCS, die Wirtschaftskrankheit ?"

Die Problematik in Österreich und größtenteils in ganz Europa sind die fehlenden Ärzte und Umweltmediziner, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Obwohl bekannt ist, dass umweltmedizinische Einrichtungen die Krankenkosten reduzieren könnten, da Patienten gleich gezielt behandelt werden, anstatt einen jahrelangen für den Patienten unbefriedigenden Ärztemarathon zu absolvieren, gibt es kaum Anlaufstellen und noch weniger kompetete Behandlungsmöglichkeiten. Die Gründe für die schlechte umweltmedizinsche Versorgung sind nur schwer auszumachen. Kaum jemand möchte offiziell zugeben, dass unser heutiges Leben, unsere Wirtschaft und die daraus resultierende Umweltverschmutzung, krank machen können. Hinzu kommt, dass laut offiziellen Behörden die bisher erlaubten Grenzwerte in unseren Produkten und Nahrungsmitteln kein Risiko für die Gesundheit darstellen. Fatale Auswirkungen hätte es, wenn Politik und Medizin zugeben müssten, dass auch deutlich geringere Dosierungen schon zu schweren Erkrankungen führen können. Man muß scheinbar in Kauf nehmen, dass die Wirtschaft um jeden Preis geschützt wird - ist das aber ein Grund, umwelterkrankten Menschen nicht zu helfen? Ist unterlassene Hilfeleistung kein schwerwiegendes Vergehen? Deshalb werden Umweltkranke auch gar nicht als solche diagnostiziert, denn so lassen sich viele Probleme schnell und einfach lösen. Ein unglaublicher Mißstand in unserer doch so hochentwickelten Gesellschaft. Während schwerkranke Menschen mit Krebs, Herzleiden, Schlaganfällen etc. totale Unterstützung von Behandlung bis zu Reha-Maßnahmen von unserem Gesundheitssystem widerfahren, werden Umweltkranke einfach nach Hause geschickt. Bei sterbenden Menschen wird alles getan, um sie am Leben zu erhalten, Umweltkranke hingegen sind zum Sterben verdammt. Behandelt wie Aussätzige im Mittelalter, und das im ach so fortschrittlichen 21. Jahrhundert!
Dass es auch anders geht, zeigen weite Teile der USA und Kanada, bei denen Umwelterkrankungen wie MCS schon lange offiziell als schwere körperliche Behinderung gilt!

Die Nicht-Anerkennung von Umwelterkrankungen stellt nicht nur für aktuell schon erkrankte Menschen ein Problem dar, sondern auch für die kommenden Generationen. Mit der Geheimniskrämerei um MCS nimmt man der risikoreichen Gruppe von Menschen die Chance, ihre ersten Symptome richtig einzuordnen und dementsprechend entgegenzusteuern. Gerade im Frühstadium von MCS gibt es viele Symptome, die deutlich auf eine chemische Unverträglichkeit deuten, wie häufige Kopfschmerzen, Augenbrennen, Schleimhautentzündungen und vor allem erste Empfindlichkeitsstörungen des Geruchs auf Parfüm, Nikotin oder Lösungsmittel. Symptome wie die Geruchsstörung nimmt man nicht wirklich bewußt war, schon gar nicht, wenn man noch nie etwas von MCS gehört hat. Alle anderen auftretenden Gesundheitsprobleme werden meist mit Medikamenten unterdrückt oder gar ignoriert. Und so kommt es, wie es kommen muß, die Zahl der Umwelterkrankungen nehmen zu, und irgendwann wird sich auch unsere Gesellschaft nicht mehr davor verstecken können.

Dem Umweltkranken bleibt meist nichts anderes übrig als der Weg zu alternativen Heilweisen, die sie normal sonst nie aufsuchen würden. Oft verbunden mit hohen finanziellen Kosten sind zwar Besserungen des Gesundheitszustandes möglich, ebenso leider genug Mißerfolge.