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"In der einen Hälfte des Lebens opfern wir
unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben.
In der anderen Hälfte opfern wir Geld,
um die Gesundheit wiederzuerlangen."
- Voltaire
Home Leben mit MCS
"Kein Platz in dieser modernen Gesellschaft"

Ein Leben mit MCS ist ein Leben in Einsamkeit und Isolation. Nicht, dass man sich dieses Leben so ausgesucht hätte - es ist die einzige Möglichkeit, überhaupt noch leben zu können. MCS stellt dadurch nicht nur eine schwere gesundheitliche Belastung dar, sondern schränkt durch Verlust der Lebensqualität im Alltag extrem stark ein.

Angefangen in der Wohnsituation mit trostlosen Inneneinrichtungen, kahlen Wänden, wenigen Möbelstücken, meist nur ein Bett. Neue Einrichtungsgegenstände sind aufgrund starker Ausdünstungen von Chemikalien nicht möglich, oft müssen Alternativen gesucht werden wie gebrauchte Sachen oder, bei starker Erkrankung, gleich ohne. Kaum ein Mensch in westlichen Regionen würde so hausen wollen.

Ein kleineres Übel sind die Chemikalien, die wir uns all morgendlich ins Gesicht, in den Mund oder gleich über den ganzen Körper schmieren. Marken Pflegemittel voll von Giftstoffen aus dem Handel sind bei MCS ungeeignet. Für Zahnpasta, Seife und Shampoo's gibt es unzählige ökologische Produkte aus pflanzlicher Herstellung, größtenteils duftfrei und MCS-verträglich. Das gleiche gilt natürlich auch für Wasch- und Putzmittel.
Aber auch normales Wäsche waschen erweist sich oft als Abenteuer. Trotz ökologischer Produkte dünstet feuchte Wäsche Schadstoffe aus, die sich tief im Stoff verbergen, auch nach unzähligen Wäschen.

Ein Lüften der Wohnung oft so wichtig, wird bei MCS zur Gefahr. Sei es der Nikotinrauch vom Nachbarn, der aus dem Fenster hängt um seine Wohung rauchfrei zu halten, die feuchte duftstoffreiche Wäsche am Balkon von gegenüber, oder Abgase von der Straße - Lüften wird zur Lotterie und ist leider keine Selbstverständlichkeit.

"Ich riech etwas, was du nicht riechst"

Auch wenn man es geschafft hat, seine Wohnung schadstofffrei zu halten, der Schritt vor die Tür läßt sich nicht vermeiden. Abgasgerüche ziehen sich durch die ganze Stadt, rauchende und mit duftstoffangereicherte Passanten kreuzen den Weg. Stechende Gerüche aus Drogerien, Friseurläden, Tankstellen, KFZ-Werkstätten u.v.m. Es ist kaum möglich, einen schadstoffarmen Weg zu seinem Ziel zu finden. Öffentliche Verkehrsmittel können wegen den gleichen Problemen nicht benutzt werden. Radfahren, wenn man überhaupt die Kraft dazu hat,  geht maximal auf abgelegenen Wegen, abseits des Städtetrubels. Es bleibt oft nur das Auto, falls man es sich noch leisten kann, trotz starker Innenraumbelastung, doch noch immer deutlich besser als die duftstoffverseuchten "Öffis".

Freizeitangebote für MCS? Kino, Konzerte oder einfach nur normal Essen gehen? Mit MCS gleicht dies nahezu einem Selbstmord. Eine Menschenansammlung ist leider auch immer eine Schadstoffansammlung und stellt eine potenzielle Gefahr dar.

Durch die häufigen Arztbesuche und Krankschreibungen ist der Verlust des Arbeitsplatzes schon vorprogrammiert, wenn dieser nicht überhaupt erst der Auslöser für die Vergiftung war. Da MCS eine schwere körperliche Behinderung ist, ist die Suche nach einem geeigneten schadstoffarmen Arbeitsplatz nahezu unmöglich. Vor allem, wenn diese Erkrankung nach wie vor durch Behörden und Gesundheitssystem boykottiert werden. Dennoch müssen Behörden und Arztbesuche immer wieder wahrgenommen werden, oft mit langen Wartezeiten verbunden, in kleinen stickigen Räumen, mit vielen parfümierten Menschen. Ein Martyrium im Wartezimmer. Statt zum Arzt zu gehen, um Gesund zu werden, wird man schon im Warteraum krank gemacht. Dies gilt natürlich auch für Spitalsaufenthalte. Desinfektionsmittel, Latexhandschuhe und parfümierte Patienten im gleichen Zimmer verursachen Symptome, die oft schwerwiegender sind als der Grund für den Aufenthalt.

Erfahrungsgemäß dünstet jede 3. bis 4. Person einen für MCS unverträglichen Geruch aus. Ein ständiger Kampf ums gesundheitliche Überleben, mit der schlechten Arbeitsaussicht auch ein finanzieller.
Der Abstieg zu einer sozialen Leiche ist oft nur eine Frage der Zeit, der schließlich häufig auch in Suizid enden kann.

Das Ganze müßte nicht so enden. MCS-Betroffene könnten in einer natürlichen, unbelasteten Umwelt nahezu beschwerdefrei leben. Wenn man nicht gerade im Dschungel leben möchte, sind schadstoffarme bewohnbare Lebensräume kaum noch auffindbar. Alleine die doch sehr fragwürdige Benutzung von Duftstoffen grenzen das Leben eines MCS-Erkrankten sehr stark ein. Mit einer deutlichen Reduktion, mehr Nachsicht und einem deutlich höheren Bewußtsein für die Umwelt und seinen Mitmenschen, wäre sogar ein fast normales Leben in der Stadt nicht undenkbar.